Blitzenreuter Seenplatte (Druckversion)

Ereignisse in unserer Heimat

Schwedeneinfall in Oberschwaben von 1632 bis 1634; Schwedenabzug 1650. 1632 bis Kriegsende kämpften Katholiken; kaiserliches Heer; habsburgerische - ligistische (=Liga) Truppen gegen Protestanten; Schweden mit deutschen und schwedischen Glaubensbrüdern und Franzosen.

Nach Alfons Dreher: Geschichten der Reichsstadt Ravensburg Seiten 418 - 426
Dörfer wurden immer wieder ausgeraubt, Menschen verschleppt oder hingerichtet, Tiere geschlachtet. Es entstanden große Hungersnöte, Seuchen. Pest trat auf. Bauern flüchteten in die Städte und in die neutrale Schweiz und in die Alpen.

Aus Handschriftliche Aufzeichnung 1628 - 1632
Raub; Plünderungen; Sengen; Brennen; Elend; Krankheit; Pest; Hungersnot; Misshandlungen. 1627 Raum Ravensburg Sammelplatz für österreichische - ligistische kaiserliche Truppen. Oberkommando Feldmarschall Wallenstein.

Auszug aus "300 Jahre Pfarrei Blitzenreute" Seite 9 bis 11 Ernst Frey
Unzählige Truppendurchmärsche und Einquartierungen von 1619 bis 1649 mit Tausenden von Söldnern die unsere Dörfer, Weiler und Höfe völlig ausplünderten und die Menschen auf jede denkbare Art drangsalierten. Dabei war zwischen "Freund" und "Feind" oft kein Unterschied. So haben am 2. April 1636 "die zwei Modenesische Comagnia zue Plitzenreite 17 Häuser abgeprennt"; das ganze Dorf, weil es nichts mehr zu plündern gab. Volkszählung November 1637 Dorf Blitzenreute 15 Personen; Staig 28 Personen; Meßhausen 8 Personen. Die in Meßhausen 1637 gebaute Kapelle ist Zeugnis der überlebenden 5 Erwachsenen und 3 Kindern.

Nach dem Krieg:
Man erholte sich nur sehr langsam von den Verwüstungen und den enormen Menschenverlusten. Es herrschte eine lange anhaltende Not. 1650 zogen die Schweden ab. 1657 begann man 1669 sehr schleppend mit der  Kirchenrenovierung. In Blitzenreute.

Auszug aus "Wolpertswende eine Gemeinde im Schatten des großen Geschehens" Seite 78 bis 84 Dietrich Walcher
Schon nach kurzer Kriegszeit spielte die religiöse oder poltische Zuständigkeit der Kriegsführenden für die Soldaten keine Rolle mehr. Sie verdingten sich der Partei, bei welcher die meiste Aussicht auf guten Lohn und reiche Beute bestand. 1625 Blitzenreute, Staig und Meßhausen mussten harte Einquartierungen erdulden. 1627 eine schwere Missernte. 1628 brach die Pest aus. 1634 2. Pestwelle; ganze Familien wurden in wenigen Tagen ausgerottet.

1629 steigerten sich die Truppendurchzüge und damit die Einquartierungen. Durch Plünderungen, Raub, Mord und Brand kam die Bevölkerung ins tiefste Elend. Ab 1632 raubten und plünderten erbarmungslos die Schweden und protestantischen Stände wie auch das katholische kaiserliche österreichische-bayerische-spanische Heer im mittleren Schussental und seiner Umgebung. In Unkenntnis der Feindstärke verschanzten sich im Jahr 1632 ein Aufgebot von 500 Bauern und Bürgern im Altdorfer Wald und im "Langholz /Breithag", nördlich vom Schreckensee, wurden an beiden Plätzen von einer großen Übermacht der Schweden überrannt, die Hälfte niedergemacht, wobei auch der Weingartener Ammann den Tod fand. Die Landbevölkerung floh, soweit möglich, in die Städte. Erneut wütete die Pest. Die Ernteerträge sanken durch schweres Hagelwetter auf ein Minimum ab und wurden größtenteils ein Raub der Soldateska = Italienisch (soldatesca) bedeutet "zügelloser Soldatenhaufen", "rohes Kriegsvolk". Die Dörfer und Weiher lagen in Totenstille, die Bauern flohen ins Ried und in die Wälder. Wo man ging, sah man Brandstätten, Öden und Trümmerfelder. Die Luft war verpestet durch Brand- und Leichengestank, denn es fand sich niemand, der die Gräber für die Toten schaufelte. Trotzdem weitere Einquartierungen und Plünderungen. 1644 lagen Steinhausen/Mochenwangen, Stroppel, Moosehren, Hänsel, der Kögelhof und die Mühle am Krummersbach völlig öd. Im August 1647 ging Ravensburg in Flammen auf.

Das mächtige Österreich bestimmte nach dem Krieg die Geschicke unserer Gegend. Um das Land wieder mit Menschen zu bevölkern, wurden 14 Einwanderer aus Vorarlberg und der Eidgenossenschaft auf die Höfe von Wolpertswende belehnt. 1660 waren alle Höfe wieder bewirtschaftet. Kinderreichtum ließ die Bevölkerung langsam wieder anwachsen.

Erstellt: 02.11.2012, Torsten Alt
Historischer Zeitraum: 1618 - 1648, 1632 - 1650, bis 6070
Verfasser/Quellen: Ernst Frey, Dietrich Walcher, Alfred Dreher
Stichwörter: 30jähriger Krieg, Oberschwaben, nach dem Krieg

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