Interaktiver Naturerlebnispfad
DENKmal, MACHmal, SCHAUmal mit SinneMax
Drei interaktive Naturerlebniswege mit unterschiedlichen Ansätzen führen
durch das EU LIFE-Projektgebiet.
Auf den Wegen werden vor allem die Sinne angesprochen.
Der SinneMax, als lustige Symbolfigur, begleitet die Besucher von Station zu
Station und gibt dabei wertvolle Hinweise, Anregungen und Spielanleitungen.
- Die DENKmal-Route soll zum Fühlen, Sehen und Nachdenken anregen. Sie
ist ca. 6,8 km lang.
- Die MACHmal-Runde mit ca. 3,5 km oder 7 km Länge spricht ganz besonders
Familien mit Kindern an. Eine Route zum Sehen, Hören, Spüren und
Austoben.
- Der SCHAUmal-Weg führt rund um die Blitzenreuter Seenlandschaft und
bietet grandiose Blicke in die wertvolle Naturlandschaft. Ein Weg zum Sehen,
Hören, Fühlen, Riechen und Genießen. Bei einer Länge
von ca. 8,1 km, muss schon ein halber Tag eingeplant werden.
Die MACHmal-Runde und der SCHAUmal-Weg bieten sich auch als Fahrradtour an.
Die Wanderkarte des interaktiven
Naturerlebnispfades als PDF-Datei zum Download
EU LIFE-Projekt
" Lebensraumoptimierung Blitzenreuter Seenplatte"
Vorgeschichte
Die Blitzenreuter Seenplatte ist seit vielen Jahren als ökologisch wertvolles
Gebiet bekannt.
Bereits 1924 wurden der zentrale Hochmoorkern und seine nicht abgetorfte Umgebung
als Bannwald geschützt.
1937 wurden weitere Teile des Gebietes als Naturschutzgebiet ausgewiesen (Dornacher
Ried mit Häckler Ried, Häcklerweiher und Buchsee).
Im Jahr 1939 kamen der Schreckensee und 1971 der Vorsee sowie das Wegenried
dazu.
2004 wurde zusätzlich das erste "Regionale Waldschutzgebiet"
Baden-Württembergs in der Blitzenreuter Seenplatte eingerichtet mit insgesamt
527 ha Fläche, davon 184 ha Bannwald, sowie 343 ha Schonwald.
Von 2002 - 2007 wurden von der PRO REGIO OBERSCHWABEN GmbH Maßnahmen
umgesetzt, um Beeinträchtigungen des Moorkörpers wie Entwässerung,
Abtorfung, Nährstoffanreicherung und Zerschneidung aufzuhalten und nach
Möglichkeit wieder rückgängig zu machen.
Wesentliches Ziel
Ein wesentlichstes Ziel dieser Maßnahmen ist es, dieses Gebiet wieder
zu vernässen.
Denn seit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde es systematisch durch Gräben
entwässert.
Dadurch konnte in Teilbereichen bis 1960 Torf abgebaut werden.
Außerdem wurden Kanäle, die von italienischen Arbeitern in den 1870er
Jahren gegraben wurden, mit speziellen Beförderungsbooten (Nachen) befahren,
um wertvolle Streue abzutransportieren.
Maßnahmen im Einzelnen
- Grunderwerb: 34 ha Fläche von 90 Privateigentümern
- Wiedervernässung und damit Erhaltung beeinträchtigter Moore wie
Dornacher Ried, Häckler Ried, Wolpertswender Torfstich durch Einbau von
18 Holzspundwänden mit z. T. 120 m Breite und 6,5 m Tiefe
- naturnahe Umgestaltung der Verbindungsbäche Buchsee-Schreckensee und
Vorsee-Schreckensee
- Biotopvernetzung
- Erhaltung von Lebensräumen und Artenvielfalt
- Besucherlenkung Bau eines Natur-Erlebnispfades und zweier Beobachtungskanzeln
am Schreckensee und im Wolpertswender Torfstich
Finanzierung
Die Kosten teilten sich die EU (60 % aus EU LIFE-Programm), das Land Baden-Württemberg
(Forstverwaltung, Naturschutzverwaltung, Wasserwirtschaftsverwaltung), die Gemeinden
Fronreute und Wolpertswende, der Landkreis Ravensburg, die Stiftung Naturschutzfonds
beim Ministerium Ländlicher Raum und der Projektträger PRO REGIO OBERSCHWABEN
GmbH selbst.
Ziel des Projektes
Das im Rahmen des EU LIFE-Projekts wieder hergestellte Moorgebiet hat nun Zeit,
vollständig zu dem zu werden, was es einmal war:
Ein intaktes Hochmoor und ein Lebensraum für viele, zum Teil sehr seltene
Pflanzen- und Tierarten.
A. Trautmann
Projektmanagement
Fauna und Flora
Die Vielfalt an Lebensräumen in der Blitzenreuter Seenplatte bringt einen
großen Artenreichtum mit sich.
Viele gefährdete, z.T. deutschland- und europaweit geschützte Tier-
und Pflanzenarten können hier noch beobachtet werden.
In folgender Tabelle sind die Artenzahlen ausgewählter, in der Blitzenreuter
Seenplatte nachgewiesener Organismengruppen aufgelistet.
Die angegebenen Zahlen fassen Literaturdaten über längere Beobachtungszeiträume
sowie im Projekt durchgeführte Kartierungen zusammen (Herbst 2002 bis Herbst
2003: Pflanzen, Libellen, Amphibien).
Kategorie: *Arten **gefährdet
Pflanzen
- Höhere Pflanzen, Moose
Arten: 426 + 31, gefährdet: 87
Tiere
- Libellen
Arten: 42, gefährdet: 23
- Schmetterlinge
Arten: 40, gefährdet: 7
- Heuschrecken
Arten: 14, gefährdet: 4
- Muscheln
Arten: 9, gefährdet: 2
- Schnecken
Arten: 15, gefährdet: 4
- Fische
Arten: 16, gefährdet: 5
- Amphibien
Arten: 6, gefährdet: 1
- Vögel
Arten: 89, gefährdet: 36
- Säugetiere
Arten: 8, gefährdet: 2
*Anzahl im Gebiet nachgewiesener Arten
**Anzahl Arten Rote Listen und FFH-Anhänge
Besonderheiten
Die Gewässer der Blitzenreuter Seenplatte und ihre Uferbereiche bieten
Rast- und Brutplätze für Wasservögel, Watvögel und auch
Kleinvögel.
Ornithologisch besonders wertvoll sind der Schilfgürtel und der Kalkquellsumpf
am Ufer des Schreckensees, wo während der Zugzeit u.a. Bekassine (Gallinago
gallinago), Kiebitz (Vanellus vanellus) und Zwergschnepfe (Lymnocryptes minimus)
rasten und jährlich auch einzelne Paare brüten.
Die Zwischen- und Hochmoore der Blitzenreuter Seenplatte bieten mit Orchideen
und Hochmoorspezialisten, z.B. die fleischfressende Pflanze Sonnentau (Drosera),
das Fettkraut (Pinguicula) und der Wasserschlauch (Utricularia) manche botanische
Besonderheit. Auch Kreuzotter (Vipera berus) und Ringelnatter (Natrix natrix),
sowie auf Moorgewässer angewiesene seltene Libellen sind hier zu Hause.
Alte artenreiche Bann- und Schonwälder sind Lebensraum zahlreicher Moose,
Flechten, Insekten und Vögel.